Für längere Fußgängerzone: Wolfsburgs Nordkopf wird (ein bisschen) autofrei

24. Juni 2026

Wolfsburg ist eine Autostadt. Das ist historisch gewachsen und stadtstrukturell verankert. Doch was passiert, wenn ein Verkehrskonzept konsequent aus der Perspektive aller Verkehrsteilnehmenden gedacht wird, also auch der Zu-Fußgehenden, Radfahrenden und Fahrenden des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)?

Genau das hat PB Consult gemeinsam mit der Stadt Wolfsburg in den vergangenen Monaten erarbeitet. Das Ergebnis: ein Innenstadt-Verkehrskonzept, das am 22. Juni 2026 im Rat der Stadt beschlossen wurde und die Grundlage für die weitere Entwicklung des Wolfsburger Stadtzentrums bildet.

Was das Konzept zeigt

Die Bestandsaufnahme ist klar: Das Wolfsburger Straßennetz funktioniert für den Kfz-Verkehr außerhalb der Spitzenstunden verhältnismäßig gut. Kreuzungen und Knotenpunkte hingegen stoßen bei hohem Verkehrsaufkommen an ihre Kapazitätsgrenzen, mit kaskadenartigen Staueffekten als Folge.

Für den Radverkehr ergibt sich ein anderes Bild: Radwege enden abrupt vor Knotenpunkten, wechseln unvermittelt die Straßenseite oder münden ins Nichts. Das führt zu ständigen Unterbrechungen und einem hohen Maß an Unsicherheit. Für Zu-Fußgehende fehlen direkte, attraktive Verbindungen. Fußwegequalität und Aufenthaltsqualität leiden dort besonders, wo der Straßenraum primär für den fließenden und ruhenden Kfz-Verkehr ausgelegt ist.

Auch der ruhende Verkehr ist ein zentrales Thema: Viele Autofahrende bevorzugen kostenlose Straßenparkplätze gegenüber Parkhäusern, obwohl letztere häufig nicht ausgelastet sind. Eine Online-Befragung zeigte, dass rund drei Viertel der Befragten, die üblicherweise anderswo parken, gezielt die Parkgebühr vermeiden. Das Konzept empfiehlt daher, Parkplätze im Parkhaus deutlich günstiger zu gestalten als im öffentlichen Straßenraum.

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Was beschlossen wurde

Der Stadtrat hat das Verkehrskonzept als Orientierungsrahmen für die künftige Stadtentwicklung angenommen.

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Konkrete Maßnahmen betreffen unter anderem:

  • Die Nordkopf-Umgestaltung: Autos sollen zukünftig über den Tunnel geführt werden, um am Willy-Brandt-Platz und in der Straße zwischen Phaeno und Designer Outlets Raum für eine erweiterte Fußgängerzone zu schaffen.
  • Die Stärkung des ÖPNV: Busse sollen gegenüber dem Kfz-Verkehr bevorzugt werden, unter anderem durch Ampelvorrechte und Echtzeitinformationen an Haltestellen.
  • Die Verbesserung der Radinfrastruktur: Lückenschlüsse im Radwegenetz und sichere Führungen an Knotenpunkten.

Nicht alle Empfehlungen aus dem Konzept werden umgesetzt. Einige Vorschläge, etwa die vollständige Sperrung der Pestalozziallee für den Kfz-Verkehr, wurden im Vorfeld durch politische Beschlüsse aus der weiteren Diskussion genommen.

Unser Fazit

Verkehrsplanung in einer gewachsenen Autostadt ist kein Entweder-oder. Es geht darum, den Straßenraum so zu gestalten, dass er für alle Verkehrsteilnehmenden funktioniert. Das Wolfsburger Innenstadt-Verkehrskonzept ist ein Schritt in diese Richtung. Es schafft eine fachlich fundierte Grundlage, auf der die Stadt in den kommenden Jahren aufbauen kann.

Mehr Hintergründe zur Diskussion und zu den beschlossenen Maßnahmen finden Sie im Bericht der Braunschweiger Zeitung.

Bildquelle: https://www.wolfsburg.de/newsroom/2026/05/gut-erreichbare-innenstadt


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